Gestern verstarb im Alter von 87 Jahren der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl. Nun überschlagen sich alle möglichen Figuren aus Politik, Medien und Wirtschaft um aus Kohl den Super-Politiker Deutschlands zu machen. Es ist kaum auszuhalten, wie sehr man diesen Mann als "Vater Europas" verklärt. Der sogenannte "große Europäer" hat mit der EU maßgeblich eine Konstruktion erschaffen, die derzeit dabei ist zu kollabieren. Es ist bezeichnend, dass dies keiner der Entscheidungsträger mitbekommt.

Europäer aus Eitelkeit?

Kohl verlor während seiner ersten Kanzlerschaft relativ schnell das Interesse an der Innenpolitik. Keine Erfolgserlebnisse und nur Kritik nagten an Kohl, der soviel versprochen hatte und wenig Resultate vorweisen konnte. Anders auf der internationalen Ebene und hier vor allem bei der damaligen EG (Europäische Gemeinschaft). Nach und nach entwickelte Kohl sein Projekt vom "Europäischen Haus". Es wurde seine Ideologie, die er immer exzessiver verfolgte. Zahlreiche Staaten wurden in die EG aufgenommen, die gar nicht dazu passten.
Kohls System war mit der Brieftasche des deutschen Steuerzahlers regelrecht andere Staatsmänner zu kaufen. Viele Milliarden flossen nach Spanien und GB bekam seinen "Britenrabatt". Kohl war die Personifizierung Deutschlands. Ein behäbiger Bär, den man nach belieben zur Kasse bitten konnte. Vieles was Kohl initiierte, wurde von den anderen Staatsmännern nur mitgetragen, weil sie regelrecht dafür bezahlt wurden. Ob sinnvoll oder nicht, es wurde gemacht.
So ist das Schengenabkommen bis heute ein Problem. Die offenen Grenzen nutzen vor allem Kriminellen, die quer durch Europa reisen. Auch Terroristen haben die Möglichkeiten erkannt, die sich ihnen bieten.


Totengräber der D-Mark

Es war Frankreichs Bedingung für die Wiedervereinigung, dass eine gemeinsame EU-Währung geschaffen wird. Frankreich hatte sein System vor Augen. Eine butterweiche Währung mit relativ hoher Inflationsrate. Kohl wollte sich auf keinen Fall die Wiedervereinigung kaputtmachen lassen und ließ sich auf das Projekt "Euro" ein.
Anders als Frankreich gehofft hatte, erwies sich der Euro als großer Vorteil für die deutsche Wirtschaft und als Klotz am Bein für Frankreich. Der Euro wurde dann auch zu eines der Lieblingsprojekte Kohls. Dass es nun ausgerechnet der Euro ist, der die EU zu zerstören droht, dürfte ein Treppenwitz der Weltgeschichte sein.


Gespür für politische Talente

Hartnäckig hält sich die Einschätzung, Kohl habe ein untrügliches Gespür für politische Talente gehabt. Tatsächlich präsentierte Kohl im Lauf der Zeit immer wieder völlig unbekannt Leute um sie auf Ministerposten zu setzen. So auch die zweite Sprecherin der letzten DDR-Regierung Angela Merkel, die er Onkelhaft "mein Mädchen" nannte. Eine Befähigung zu diesem Amt musste niemand mitbringen. Kohl ging es ausschließlich um Loyalität. Ähnlich wie ein Monarch seinen Hofstaat hielt. Minister, die zu eigenständig waren und zu Konkurrenten werden konnten, stellte Kohl relativ schnell kalt. So ist es kein Wunder, dass der Kriecher Norbert Blüm die gesamte Regierungszeit Kohls Minister war. Kohl ließ niemanden groß werden und baute auch keinen Nachfolger auf.


Vom Mädchen zu "die Dame"

Angela Merkel war so eine Entdeckung Kohls. Er nannte sie mein Mädchen. Als Kohl im Parteispendenskandal zu Fall kam, wandten sich große Teile der CDU von ihm ab. Kohl hatte die CDU zu alter Größe zurückgeführt, nun drohte die Partei dank seiner zwielichtigen Parteispendenpolitik unterzugehen. Es war ausgerechnet Angela Merkel die ihre Chance suchte und maßgeblich daran beteiligt war, Helmut Kohl vom Hof zu jagen. Während die potenziellen Nachfolger Kohls zauderten und zögerten, hatte Merkel bereits gehandelt. So trat sie die Nachfolge Kohls als Parteivorsitzende und später als Kanzlerin an. Kohl nannte sie danach nur noch verächtlich "die Dame".


Unterschätzter Politiker

Helmut Kohl wirkte immer etwas unbeholfen, konnte seine Provinzialität nie ablegen und war im direkten Vergleich zum weltmännisch auftretenden Helmut Schmid oft Kandidat zum fremdschämen. So war Kohl denn auch in seiner Partei lange Zeit ein Kompromisskandidat. Als der CDU-Hoffnungsträger Rainer Barzel damit scheiterte Willy Brandt aus dem Amt zu hieven, kam Helmut Kohl bundespolitisch ins Spiel. Lange Zeit galt Kohl als schwach und lediglich als ein Übergangskandidat. So schrieb die britische Zeitung Financiel Times im Jahr 1980........

„Niemand, nicht einmal der schlimmste Feind (und es gibt einige Konkurrenten um diesen Titel), wird Helmut Kohl vorwerfen, dass er ein Visionär oder brillanter Redner ist. Die Christdemokraten misstrauen solchen Qualitäten, und Herr Kohl, der Parteivorsitzende, hat ihr seine Einstellung mehrfach versichert, indem er jegliches Talent, das er für eine helle Idee oder scharfe Analyse hätte haben können, unterdrückt. […] Zwar bekam er [nach seiner fast dreistündigen Parteitagsrede] stürmischen Applaus; dem Klatschen ging jedoch eine Minute unsicherer Stille voran, weil die Delegierten nicht im Klaren waren, ob Herr Kohl fertig war oder nicht.“
Quelle Wikipedia